• Gelungenes Experiment

    Die gestrige Tag steckt mir noch in den Knochen...
    Dabei war es prima. War mit 16 Leuten auf St. Pauli unterwegs. Lustige Menschen aus dem Umland, NRW und Hessen. Da dachte ich doch mal neues ausprobieren zu können und ging anstelle der üblichen Stadtführungs Einkehren (Silbersack, Ritze) in die TippelII. Ne echte Kiezkneipe halt. Nette Bedienung, das Astra schmeckt und das Preisleistungsverhältnis ist gut und: die Leute waren glücklich.

    Highlight auf der Getränke Karte: "Ficken" - ehrlich. Ein kleiner Schnaps, der die Gemüter erheitert und die Körper wärmt. Die Gäste erklärten die Tippel II zu ihrer Stammkneipe und wollten sich gar nicht trennen.

    Als wir dann am Schluss der Tour doch noch versuchten in die Ritze einzukehten, verlor ich die Hälfte der Leute im Gewühl, kam selber nicht rein und blieb mit einigen draußen, die ich dann noch zum Spielbudenplatz geleitete. Na, vielleicht gings dann doch wieder in die TippelII - wer weiß das so genau.

  • Wohnungssuche oder in Ottensen gibt keine Telefonzellen

    Ich suche eine Wohnung. Telefoniere mit Maklern, schaue an, sage ab. Spreche mit Finanzberatern, informiere mich über Kredite und quäle meinen Taschenrechner.

    In Ottensen eroberte eine charmante aber baufällige 2,5 Zimmer Wohnung mein Herz. Wolfgang Erich reist an, denn ich habe auch noch Geburtstag, und gibt den Fachmann:

    "Das isolieren wir."
    "Da nageln wir Holz rüber."
    "Die Wand reißen wir raus."

    WE weiß tatsächlich wovon er spricht und ich bin ihm dankbar.
    Nur er hat die Wohnung noch nicht von Innen gesehen. Nur so durchs Fenster.

    Ich mache einen Termin mit dem Makler.
    Mit dem Bus wollen wir nach Altona reisen. Das wird in der Tat eine Reise, denn WE hat ein frisch operiertes Knie und geht auf Krücken. Ich habe im anderen Knie eine Bänderdehnung und kann nur humpeln.

    WE geht vor, weil er noch langsamer ist.
    Als ich zehn Minuten nachdem WE das Haus verlassen hat, an der Bushaltestelle ankomme stehen dort fünf Menschen. Es gießt, Autos rasen über die Kielerstraße nur WE ist nicht dort.

    Ich stelle mich unter das Dach der Haltestelle, warte und mache mir Sorgen. Vielleicht ist er falsch abgebogen...
    Ich durchsuche die Faberstraße -nix
    die Rellingerstraße-nix,
    laufe den Langenfelder Damm entlang zur Kielerstraße - nix.
    Nach einer Stunde im Nieselregen, keine Spur von WE.
    Ich rufe den Makler an und sage den Termin ab.

    Ich treffe Freunde, die sich umschauen wollen und bin total durchnächst.
    Ich gehe zur Polizei-Wache Grundstraße.

    "Nein, ein älterer Herr mit Krücken ist hier nicht abgeben worden."
    "Ist vielleicht vor einer Stunde ein Krankenwagen gerufen worden?"
    Der Beamte verneint. Er überlegt ob WE vielleicht auf dem Apostelmarkt verloren gegangen ist. WE ist ja nicht blöd und kann einen Markt schon von einer Bushaltestelle unterscheiden.
    "Hat Ihr Vater ein Handy?"
    "Nein!"
    "Ist er sonstwie ähm verwirrt?"
    "Bis vor zwei Stunden war er das nicht, er kann nur schlecht laufen."
    Der Beamte schaut mich an, als wolle er sagen, das liegt wohl in der Familie.

    Ich verlasse die Wache und WE bleibt verschwunden.

    Nach 2,5 Stunden klingelt mein Handy. Es ist WE:
    "Mensch, dass ist ja echt blöd hier. In Ottensen gibt es keine Telefonzellen."
    Einmal tiefdurchatmen, aber WE ist noch nicht fertig.
    "Ich hab mir die Wohnung noch mal angeschaut. Da musst Du noch mal genau drüber nachdenken, da gibt es nämlich auch nirgends Mülltonnen."
    Der Mann merkt auch alles...

  • Juli 2007: Stadtführerin auf St. Pauli erfroren

    ... naja fast, es ist zumindest kalt und nass und brauchte schon einige Stunden, bis ich meine Finger wieder bewegen konnte.

    Während ich Geschichten von "Tattoo Theo", Fritz Honka und Hanne Klein erzähle, erfrieren mir die Hände. Das ist mir das letzte Mal bei einer Gorleben-Demo passiert, an der ich im Winter ohne Handschuhe teilnahm und wir "Niemals wird ein Castor durch`s Wendland rollen" riefen. Also schon sehr lange her.
    Über St. Pauli hängen dicke Wolken. Ich tausche den Regenschirm gegen die Kapuze. Die bayrisch-österreichische Damengruppe, die ich begleite, ist in dicke Jacken verpackt. Wasserdicht. Die Laune ist gut. Viel los ist nicht auf St. Pauli. Montag ist Ruhetag. Selbst die Koberer stehen nicht auf der Straße, stattdessen jede Menge Pfützen.
    Der Wetterbericht sagt eine Sturmflut voraus. Der Fährverkehr nach Helgoland ist eingestellt.
    Das Thermometer sinkt unter 15 Grad, dabei sprechen alle vom "global warming".

  • Weltfrieden gegen den Regen

    Dauerregen wäre eine Untertreibung, wolle man das aktuelle Wetter in Hamburg beschreiben. Sintflut trifft das ganze schon eher. Auf jeden Fall regnet es, und das seit Stunden.

    Waterproof verpackt, machen wir uns auf, den Dalai Lama zu treffen. Seine Heiligkeit hält einen Vortrag über das Mitgefühl in der globalisierten Welt im Tennis Centre am Rothenbaum. Neben den internationalen Tennisstars dürfen hier nur ganz ausgewählte Personen auftreten. Pavarotti zum Beispiel oder Domingo, doch dessen Konzert im vergangenen Jahr wurde mangels Anteilnahme abgesagt. Seine Heiligkeit ist aber willkommen und viele wollen ihn sehen – nur das kostet Eintritt. Mindestens 10 Euro pro Person. Macht bei zwei Karten 20 Euro. Genau soviel, habe ich am Freitag für die Taxifahrten hin und zurück zu einer hübschen Cocktailbar an die Elbe verbraucht. Hinzukommt die Tageskarte des HVV (Fahrradfahren ist zu Zeiten der Sinnflut nicht möglich), die dem Preis eines Cocktails zur Happy Hour entspricht.
    Im Gegensatz zu Theaterveranstaltungen, Konzerten oder Großevents a la Live Earth ist die Fahrt mit dem HVV nicht eingeschlossen. Sollten wir also lieber mit dem Porsche Cayenne anrauschen? Hoffe Seine Heiligkeit hat an Parkplätze gedacht.

    Denn noch, die Masse der Pilger kommt per Bahn. Rote, Grüne, Gelbe, Blaue Jacken und Schirme spucken die U-Bahn-Aufgänge aus. Bunt wie eine riesige Gebetsfahne schieben sich die Massen in Richtung Tennis-Center. Mittendrin immer wieder Buddhistische Mönche in ihren roten Gewändern und mit einem Lächeln im Gesicht. Unbeachtet stehen zwei Hinz und Kunzverkäufer mit einem „Willkommen Dalai Lama“-Schild am U-Bahn Ausgang.

    Am Center Court, der zum Glück überdacht ist, steigt indes die Spannung: In wenigen Minuten soll Seine Heiligkeit erscheinen. Die Stille steht im Raum, wie die Tausenden erwartungsvollen Zuhörer. Und dann tippelt er auf die Bühne. Ein kleiner Mann, mit einem fast grinsenden Lächeln, erleuchtet von guter Laune. Da hat auch Petrus ein Einsehen und schickt den Regen für ein paar Stunden in die Wüste.
    Drei Stunden lang redet der Dalai Lama über Buddha und die Welt. Mit charmant kecken Einwürfen begeistert er sein Publikum. Gebannt hängen Menschen aus aller Welt an seinen Lippen: nicken verzückt, klatschen und können auch immer mal wieder schmunzeln. Seine Heiligkeit flirtet kokett mit dem Publikum, wenn ihm ein englisches Wort nicht einfällt. Doch der Übersetzer ist stets hilfreich zur Stelle. Ein paar Mönche mit Pudelmützen machen Fotos mit der Handy-Kamera.

    In einer verblüffend einfachen Art und Sprache erklärt der Dalai Lama die Welt und scheint für alle Probleme eine Lösung zu haben. So einfach kann Weltfrieden sein.
    Sollte er jemals zurück nach Tibet gehen, wird er seine weltliche Macht an eine tibetische Regierung übergeben und, wie er schalkhaft lächelnd verspricht, seine Freitzeit genießen.
    Das europäische Parlament möchte Seine Heiligkeit am liebsten nach Moskau verlegen und der ganzen Welt eine Weltunion nach Vorbild der EU verpassen. Das meint er ernst. Aber er sagt auch, dass das Beten leerer Phrasen die Probleme der Welt nicht ändern wird, sondern nur der liebevolle und harmonische Umgang der Menschen untereinander und mit ihrer Umwelt. Einfache Worte, eines großen Mannes, der immerhin toleranter ist als der Papst und keine Berührungsängste mit den Weltreligionen hat, auch nicht im protestantischen Hamburg.

    Die Zeit verfliegt und viele wissen, dass sie Seine Heiligkeit vielleicht ein letztes Mal sehen werden. Immer wieder fließt das Thema Tod in seinen Vortrag ein. Aber der Dalai Lama ist optimistisch und hofft auf eine gute Reinkartnation – vielleicht in den Körper eines wunderschönen Mädchens.
    Als der Vortrag beendet ist, ziehen alle ihre Regenjacken an, denn der Hamburger Himmel öffnet seine Schleusen. Aber wen stört das heute noch, nach soviel positiv liebevollen Gedanken Seiner Heiligkeit.

  • "One of these days"

    "It is one of these days" pflegt mein irischer Freund Donal zu sagen, wenn mal wieder nichts so richtig funktioniert. Am 10. Februar ist es in Hamburg vor allen Dingen kalt. Gefühlte -78 Grad. Und dabei sprechen alle vom global warming.
    Eigentlich fängt der Tag gut an. Zwei am Telefon sympathisch klingende Neu-Hamburger buchen eine Tour durchs Schanzenviertel. Meine Wartezeit (als Stadtführer ist man oder Frau immer vor den Gästen da) verkürzt mir ein Glühweintrinkender Straßenpunk. Ich will ja nicht den Moralapostel machen, aber es war noch vor 11 Uhr in der Früh. Ich spende dem Punk 60 Cent als Wetteinsatz für das Spiel HSV-Dortmund und tippe auf Niederlage für oder besser gegen den HSV. Der Punk setzt auf den HSV und - wie sich später herausstellt - gewinnt. Die Statistiken sprechen aber für mich.

    Mein Gast kommt - allein. Das Mädel hat ihn versetzt, also lassen wir den Rundgang ausfallen. Ist irgendwie auch zu kalt.

    Ich spaziere durch das verschneite Schanzen- und Karoviertel in Richtung Messehallen. Guerilla-Marketing steht auf dem Plan. Es ist Reisemesse in Hamburg und ich will Flyer für einen St. Pauli Rundgang verteilen.
    Menschen in Goretex-Jacken reißen mir die "2 zum Preis von 1" - Flyer aus der Hand, soweit sie diese überhaupt aus den Jackentaschen bekommen. Meine Hände werden immer steifer. Auch meine Zehen in Wollsocken und Wanderstiefeln melden sich 10 Minuten später. Schneeflocken fallen vom Himmel.
    50 Flyer später kann ich meine Hände nicht mehr bewegen und ich gehen zum Aufwärmen ins Kochkontor. Dort hat die Küche geschlossen. Es gibt weder Tee noch Kaffee. Aber Kochbücher könnte ich kaufen. Ein paar grauhaarige Linksintellektuelle unterbrechen den Kochkurs für eine Zigarettenpause. Ich ziehe weiter.
    Gleich im ersten Café in der Marktstraße ist noch ein Platz frei. Nette Ambiente, schrecklich viele Menschen mit Nachwuchs und es riecht nach Öko. An der Wand hängt ein sehr farbiger Buddha und am Nebentisch philosophieren Szenegänger über kirchliche Verpartnerungen. "Einen Glühwein", sage ich.
    Haben die aber nicht und ich denke um 12.30h: It is one of this days.

  • Weihnachtsgeschenke

    Ich beschreibe Wolfgang-Erich (WE), meinen Vater, gern als einen Mann, der nicht weiß, wie ein Geldautomat funktioniert. Was er bestreitet, denn seit er im Sommer 2004 mit Freund Männie und einem sonderbar braun-orange gestreiften Zelt zwei Monate lang durch Süd-Europa reiste, hat er das wohl gelernt.

    Alle Jahre wieder frage ich WE, was er sich zu weihnachten wünsche. „Nix“ sagt er. Wäre aber total enttäuscht, wenn er tatsächlich nix bekäme. Dass WE am 3. Januar Geburtstag hat und sich da auch nix wünscht, macht das ganze nicht einfacher.

    Letzte Woche war es dann wieder so weit. Ich rufe WE an:

    „Was wünschst Du Dir zu Weihnachten?“

    „Ein Buch!“

    Ich erschrecke, denn WE liest nicht. Er schaut sich Reiseführer an oder sitzt in seiner Küche und hört Kaminer. Den liebt er. Letztes Jahr schenkte ich ihm eine Live-Aufnahme einer Kaminer Lesung zu Weihnachten. „Das ist ja eine Kassette!“ murrte WE. Aber sein Freund Dieter hat ihm die irgendwie auf eine CD überspielt und WE erfreut uns seit dem mit Kaminers Urlaubsgeschichten aus Gran Canaria.

    „Ein Buch über Deutschland.“

    Also doch einen Reiseführer. Ich bin erleichtert.

    „Über die DDR!“

    „Soll das ein Reisführer sein? Den hab ich Dir doch schon vor 10 Jahren geschenkt.“

    „Nee, mehr was spezielles.“

    „Burgen und Schlösser oder so? Oder Hofläden an der Ostsee?“

    Ich versuche WE für die NDR-Landpartie zu begeistern.

    „Etwas über die Alltagskultur der DDR.“

    Ich frage mich, was mit meinem Vater passiert ist.

    „Ich hab da in einen Prospekt mal so ein Buch gesehen. Das ist aber schon vier Jahre her.“

    Das klingt vertrauter. WE liebt Prospekte. Beim vorletzten Weihnachtsfest fand er, als wir auf dem Weg zu Freund Männie waren, einen ganzen Stapel und die beiden verglichen beim Weihnachtsessen die Sonderangebote der lokalen Einkaufszentren.

    Ich bin jetzt auf der Such nach einem Buch über die DDR und hoffe, dass sich WE an Weihnachten 2007 wieder nix wünscht

  • Spicy yes!

    Spicy Snacks

    Meine erste Begegnung mit indischen Essen mache ich im Restaurant des Grand Hotels in Ernakulam. Nach einem Nachtflug, dessen Nacht aufgrund der Zeitverschiebung fünf Stunden länger war als üblich, musste ich meine ersten Stunden in Indien schlafend verbringen. Mittags wache ich auf: Erschlagen von der Hitze und hungrig.
    Mehrere Interneteinträge hatten mir die Küche des Grand Hotels, in dem ich mich befinde, als eine der besten für typische Gerichte des Bundesstaates Kerala (was soviel heißt, wie Land der Kokosnuss) beschrieben. Also los: Der Speisesaal des Grand Hotels ist groß und gut gefüllt. Ich bin die einzige Europäerin. Um mich herum, Familien und Geschäftsleute. Teils in traditioneller Kleidung, teils salopp oder im Business-Look. Überall klingeln Handys durcheinander. Mainstream Klassik gemischt mit Hindi-Pop und sphärischen Tonleitern. Reis und Brot stehen auf den Tischen, kombiniert mit Currys. Obwohl zum Essen Besteck gereicht wird, essen viele der Gäste mit der rechten Hand. Ein Anblick an den ich mich in der nächsten Zeit gewöhnen werde.
    Ich bestelle ein Krabben-Kokosnuss-Curry mit Bananen und Reis. Ein Kellner reicht mir ein Glas pinkes Wasser. Wasser, das gekocht wurde und später mit einer pinkfarbigen Lösung desinfiziert wurde. Leitungswasser ist in Indien nicht trinkbar. Auch zum Zähneputzen sollte man als Tourist abgepacktes Wasser verwenden.
    Ich versuche in Ruhe mein Essen zu genießen. Die Ruhe wird von den höfflich im Minuten-Rhythmus wiederkehrenden Fragen der 30 im Speisesaal herum wirbelnden Kellner unterbrochen:

    „Spicy?“
    „Yes, I like it“
    “Spicy-yes?!”

    Bei weiteren Essen im Grand Hotel stelle ich fest, dass das Essen abends (weil mehr Touristen) nicht wirklich scharf ist und es am Abend auch kein pinkes Wasser gibt. Touristen trinken Bier. Bis zu meiner Abreise werde ich verschiedene Currys, das beste Tandoori Chicken und einen großartigen Kerala-Lunch-Plate probiert haben und gerne daran zurückdenken.

    Am Abend treffe ich Monolita (eine Couchsurferin) und ihren Mann Thomas. Nach einem kleinen Imbiss in einem schlichten Restaurant mit Self-Service-Teil und Monolitas Hinweis: Do not drink tap water. Gehen wir in eine hippe Bar. Nachdem ich meine Begeisterung über indisches und auch scharfes Essen kund getan habe und Monolita die Auswahl der Speisen überlasse steht der Tisch voll mit kleinen Snacks, allesamt gut scharf! Mein Favorit, Krabben, die mit Ingwer, Chili, Knoblauch und Kokosnuss gebraten wurden. Das schärfste was ich in Indien essen werde.
    Zum Essen trinken wir Wein. Als ich höre, dass es lokalen Weißwein gibt, möchte ich diesen probieren und lehnte den Chardonnay aus den USA ab. Der indische Wein, einen weiteren Versuch mache ich in einem sehr schönen Restaurant in Pondicherry, überzeugt mich nicht wirklich. Der Geschmack erinnert an Sherry und er passt aus meiner Sicht nicht wirklich zu dem scharfen Essen. Leider hatte ich keine Gelegenheit den lokalen Rotwein zu probieren.

  • Nachdenken über Indien

    TempleMadurai

    Indien ist irgendwie ganz anders. Anders als ich gedacht hatte.
    Alle hatten mich gewarnt, vor dem Kulturschock, der Hitze, den vielen Menschen ... aber irgenwie war alles dann doch ganz anders, ganz fasznierend, bunt und wunderschön.

    Natürlich gibt es in Indien viele Menschen und es ist laut und voll.
    Überall hupen Autos, fahren durcheinander begleitet von Rikschas, Zweirädern und Zwei- und insbesondere Vierbeinern. Nicht nur Kühe tippeln überall durchs Straßenbild, sondern auch Ziegen oder Hühner, aber auch manchmal Elefanten.
    Den Links-Verkehr bemerkt man nicht wirklich, da eh alles durch einander fährt. Höchsten wenn man ausweichen muss, kann man sich mal vertuen. Die Inder übrigens weichen sofort aus, wenn es brenzlig wird und hier gilt, für wen es am einfachsten ist, der weicht aus und nicht, wer im Recht ist, wie in Europe. Wer wie ich auf Hamburgs Radwegen unterwegs ist oder durch Afrika und Süd-Italien gereist ist, wundert sich über den guten Zustand der Straßen.

    Überhaupt kam mir das Chaos in Indien nicht halb so groß vor, wie in meinem letzten Süd-Italien-Urlaub an dessen Ende ich emotional nicht mehr verstand warum Italien EU Mitglied ist. Vielleicht machen die Italiener ja eines Tages Platz für die Inder.
    Aber dafür sind die Italiener Fußballweltmeister. Diese Sportart ist in Indien nicht sehr weit verbreitet. Dafür Cricket. Ein interessantes Spiel. Meine gemutmaßte Verwandschaft zum Baseball brachte mir keine Freunde ein. Verwunderlich, dass so ein Cricket Spiel über mehrere Tage geht. Sogar zum Tea und zum Abendessen gibt es eine gepflegte Pause. Klingt irgendwie nicht schlecht ...

    Indien ist religiös. Ich fand es faszinierend in welcher Harmonie, die vielen Weltreligionen hier mitander leben. Hier kann Europa von Indien lernen. Es ist egal an welchen Gott jemand glaubt. Alle Religionen beeinflussen den Alltag und jeder hat ein bisschen was von den anderen übernommen. Die gelebte Ringparabel.

    Spannend ist natürlich auch der Hinduimus mit seinen vielen Gott-Erscheinungen und Geschichten. Im Gegensatz zu unseren Kirchen in Europa sind Hindu-Tempel ein Quell der Lebendigkeit. Es ist laut und quirlig, alle Menschen reden und laufen durcheinander. an jeder Ecke werden Rituale gefeiert. Da beschmeißen ein paar Gläubige eine Götter-Statue mit Butter, an einer anderen Ecke bringen Junggesellen ein Opfer für eine den Junggesellen gütige Gottheit. Ein Elefant dient als Fotomodell, wenn man ihn mit Geldscheinen lockt und Markthändler verkaufen auf einem riesigen Basar Götterfiguren jeder Art, Postkarten und Bindis. Dort laufen ein paar Gläubige mit Blumenketten umher und hier bringt eine Familie Obst als Opfergabe.
    Ich hätte einen ganzen Tag im Tempel in Madurai verbringen können, aber das straffe Programm (Indien ist auch gut organisiert) zog mich aus dem Bann. Meinen Plan den Tempel am nächsten Morgen um sechs zu besuchen habe ich dann doch nicht verfolgt: Der Spirit des Betts war stärker als der der Götter.

  • Im Dämmerlicht um halb sieben …

    Der Wecker rasselt
    eine Teekanne zischt
    der Regen prasselt
    eine Putzfrau wischt

    … so begannen wir in der neunten Klasse(9a) im Musikunterricht von Frau K. sangesfroh den Tag. Die 9a war bekannt für gute Gesangsdarbietungen.
    Zur Illustration des Gesangs wurden die Konsonanten über Maße betont.
    Das Lied, dessen weiterer Tex einen erwachenden Tag in der Stadt beschreibt und mit dem Tod der Nachbarin am Abend endet, ist nur noch rudimentär in meinem Kopf erhalten. Im 21. Jahrhundert ist der Text sowieso nur noch bedingt anzuwenden.

    Mein Tagesbeginn sieht korrekterweise wie folgt aus:
    1. Das Handy dudelt den deutschen Grandprix Beitrag 2006
    -peinlich, habe es aber seit vier Wochen nicht geschafft, Batterien für den Wecker zu kaufen. Frage mich ob der neue Nachbar unter mir das eigentlich hören kann (Handy liegt meist auf dem Fußboden) und mich für total bekloppt hält

    2. Der Teekocher blubbert

    3. Die Sonne scheint, der Wind weht

    4. Putzfrau
    hmm schöne Idee, aber nicht real.
    wie wäre es mit: die Katze nervt?

    also, ich faße zusammen:
    Das Handy dudelt
    der Teekocher blubbert
    die Sonne scheint
    die Katze nervt

    Frau K. wäre sicherlich begeistert bei soviel Kreativtät. Auch wenn die Konsonanten fehlen.

  • Drei Euro – Vom Flohmarkt in der Schanze

    Einmal im Jahr gehen Dörthe und ich auf den Flohmarkt. Wir haben uns im Studium eine Wohnung geteilt, haben in Irland den Bus verpasst und waren schon gemeinsam im Kanzleramt. Warum sollten wir uns also nicht einen Flohmarktstand teilen. Ziemlich schnell wurde die Flohschanze unser Lieblingsflohmarkt.
    Gerne erinnern wir uns an ein Erlebnis vor zwei Jahren, als wir die kompletten Flohmarkt-Reste (alles gut erhaltene Herrenklamotten) der Schwulen Jungs neben uns erbten und diese (also die Klamotten) wiederum an eine Obdachlosen-Initiative weitergaben. Kommentar Dörthe: „Eimsbüttel hat jetzt die coolsten Obdachlosen.

    In diesem Jahr hatten wir eher kommunikationslose Nachbarn, nur ab und zu kam der Asiat von gegenüber und hielt beschützend seinen Regenschirm über uns. Nicht das es in Hamburg regnete, nein, die Sonne brannte auf uns herab. Dabei hatte Dörthe vorher noch genölt, dass wir ausgerechnet einen Platz ohne Sonne erwischt hätten.

    Neben einigen Klamotten konnte ich ein paar ausrangierte Küchengeräte anbieten. Zum Beispiel meinen geliebten Wasserkocher: Meine Mutter hat im Kaufrausch anlässlich meines Geburtstags bei Tchibo einen knall gelben Wasserkocher erworben. Nach einer Diskussion über den Sinn und Unsinn dieses Geräts trennte ich mich schweren Herzens von meinem alten Wasserkocher, der Dörthe und mir so viele, viele Tassen Tee in der WG Küche zubreitet hatte und so viele, viele Stunden ohne Lernen vergehen lies.
    Ich säuberte ihn sogar noch. Und dann das: Ein Mitfünfziger Ehepaar (eher Ballermann als Backpacker) begutachtete den Wasserkocher.
    Sie: "Hätten Sie den nicht vorher entkalken können?"
    Er: "Der ist aber ganz schön gammelig. Was wollen Sie denn dafür haben?"
    Ich (selbstbewusst): „Drei Euro
    Sie:„Nö, da ist der aber zu gammelig für, der ist ja uralt.
    Ich erzähle die Geschichte meines Wasserkochers und dass ich den noch benutzen würde, wäre da nicht das gelbe Teil, aber das Ehepaar geht Bier trinken. Am Ende hat Sie ihn dann doch gekauft, für schmerzhafte 2,50 - Euro durfte aber ihr Mann nicht wissen.

    Schön war auch die Geschichte des neuen Paars Esprit Klocks, die ich für ca. 30 Euro selber gekauft hatte, aber darin nicht laufen konnte. Einmal Strand-hin das war unser gemeinsamer Weg. Bei Strand-zurück habe ich sie dann schon in der Hand getragen.
    Zahllose Frauenhände und Augen begutachten die Schuhe. Esprit zieht.
    Wie teuer?“ fragen zahlreiche Sies.
    Drei Euro,“ sage ich.
    Einen Euro würden sie geben, mehr nicht. Und ich bleibe hart. auf meinen Einwand die Schuhe seien so gut wie neu entgegnet eine Interessentin: „Aber für drei Euro nicht neu genug.
    Ich erhöhe den Preis auf fünf Euro und behalte meine Schuhe.
    Meinen Wasserkocher hätte ich irgendwie auch gern wieder zurück.

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